
Kommune, Chaotenhaufen, Wohnprojekt, Studentenwohnheim, oder buntes Zusammenleben unterschiedlichster Menschen mit kulturellem, sozialem und politischem Anspruch - die LU 15 wurde schon mit vielen Titeln ausgezeichnet. Welcher stimmt? Nach der Lektüre können Sie der Aufzählung Ihre ganz persönliche Meinung hinzufügen und werden wissen, was hinter diesem bunten Haus steckt.
Zusammenleben
Das Wohnprojekt Ludwig- straße 15 stellt eine lebendige Form des Zusammenlebens dar. In sechs Wohngemein- schaften mit jeweils ganz eigener Atmosphäre leben hier zurzeit 31 Erwachsene und Kinder zusammen.
Alltag in der Lu15
Der Austausch zwischen den Wohngemeinschaften erfolgt sowohl in der wöchentlichen Hausversammlung und in Arbeits- kreisen als auch im Alltag. Abends wird gemeinsam diskutiert, ge- gessen, gespielt, organisiert oder gemeinsam ausgegangen. Bei diesen Gelegenheiten entsteht viel Raum, um sich näher zu kommen, Ideen auszutauschen oder Pläne zu schmieden.

Freiräume - Anders als geWohnt
In der Lu15 ist mit den Jahren ein Freiraum gewachsen, der aber nicht nur intern von Nutzen sein soll - das Wohnprojekt bietet Platz und Möglichkeiten für das soziokulturelle und politische Leben mit der Nachbarschaft, den Tübingern und darüber hinaus.
In der wöchentlichen Hausbar finden Infoabende, Voküs, Mottoparties wie zum Beispiel “Hausbar mal queer” oder Soliveranstaltungen statt.
Wohnräume wie dieser finden sich in einer anonymisierten und funktionalisierten Gesellschaft nicht häufig. Glücklicherweise ist in der LU 15 mit den Jahren ein solcher Freiraum gewachsen und bereichert als solcher die Lebensvielfalt Tübingens. Die wöchentliche Hausbar, die Hauswerkstatt, die vielgenutzte Kletterwand im Dachgeschoss oder der mehrmals pro Woche geöffnete Umsonstladen mit sonntäglicher „Volksküche“ sind wichtige Bestandteile des soziokulturellen Lebens in unserer Nachbarschaft und der Tübinger Südstadt geworden. Sie bieten auch Ihnen vielfältige Möglichkeiten, einmal vorbeizuschauen und sich mit dem/der ein oder anderen BewohnerIn persönlich zu unterhalten.
Unsere Aktivitäten erreichen aber auch viele Mitmenschen jenseits unserer vier Wände. Ein eigens produzierter CD-Sampler, vielfältiges Engagement bei kulturellen und politischen Veranstaltungen wie den Wagenburg-Kulturtagen, dem Stadtfest, dem Ract!-Festival oder dem Kommando- Fussballcup – die Hausgemeinschaft gestaltet das Tübinger Leben aktiv mit!
Das seit bald 30 Jahren bestehende Wohnprojekt Ludwigstraße 15 befi ndet sich in der Tübinger Südstadt zwischen Sternplatz und Neckarufer. In direkter Nähe zum Lorettoviertel, dem LandestheaterTübingen (LTT), dem französischen Viertel und der Eberhardskirche trägt auch die LU 15 zum einmaligen Flair der Tübinger Südstadt bei. In diesem Viertel fügen sich begrünte Balkone, spielende Kinder auf verkehrsberuhigten Straßen, belebte Hinterhöfe und unterschiedliche architektonische Stile zu einem bunten Gesamtbild zusammen, das viel Raum für viele Lebensstile bietet.
Das Gebäude Ludwigstraße 15 wurde 1946 erbaut. Es diente zunächst als Unterkunft für französische Offiziere und deren Familien. Nach dem Abzug der französischen Truppen im Jahr 1977 stand das Gebäude, das zwischenzeitlich in den Besitz des Bundesvermögensamtes übergegangen war, über ein Jahr lang ungenutzt leer. „Das muss nicht sein“, dachten sich in der Nacht zum 29. November 1979 Menschen verschiedenster Couleur angesichts des teuren und knappen Wohnungsangebots in Tübingen. Nach dem Motto “bezahlbarer Wohnraum für alle“ wurde das Gebäude kurzerhand besetzt.
Seitdem leben in der „LU 15“ Studierende, Auszubildende, Kinder, SchülerInnen, HandwerkerInnen, Arbeitslose und Angestellte. Geändert hat sich seitdem, dass das Bundesvermögensamt das Objekt LU 15 am 1. April 1989 an das Tübinger Studentenwerk A.d.ö.R. verkaufte. Doch auch wenn der Eigentümer wechselte - die Selbstverwaltung blieb. In Mietverträgen mit dem neuen Hauseigentümer wurde den BewohnerInnen die Selbstverwaltung für weitere 10 Jahre zugesichert. Dieser Vertrag lief 1999 aus. 2004 kündigte das Studentenwerk allen BewohnerInnen, um das Haus zu sanieren und in ein Wohnheim nur für Studierende umzuwandeln.
Um das Zusammenleben und das politische, soziale und kulturelle Engagement sowie die Verwaltung des Wohnprojektes sinnvoll zu gestalten, hat sich die Hausgemeinschaft auf eine basisdemokratisch organisierte Hausstruktur geeinigt.
Selbstbestimmung ist viel wert!
Einmal pro Woche findet eine Vollversammlung statt, bei der sich alle Bewohner_innen treffen, um aktuelle oder inhaltliche Themen zu diskutieren und zu planen. Über die Vollversammlung hinaus gibt es verschiedene Arbeitsgruppen, die sich um die konkreten Belange des Hauses kümmern.
Neben einer Verwaltungsgruppe, die sich mit der Finanzierung des Hauskaufes und der Kooperation mit den Direktkreditgebenden beschäftigt, gibt es eine Sanierungsgruppe, welche die Vorplanung der Sanierung koordiniert. Außer dieser Gremienarbeit übernehmen alle einen persönlichen Aufgabenbereich wie die Gartenarbeit, die Homepagegestaltung, die Pflege des Umsonstladens nd die Vernetzung mit anderen Gruppen.
Darüber hinaus engagiert sich die Bewohnerschaft an vielfältigen kulturellen und politischen Veranstaltungen in und außerhalb Tübingens. Es werden vegane/ vegetarische Großküchen beispielsweise bei den Kulturtagen der Wagenburgen, anlässlich der G8 Camps, beim RACT! Festival oder am Zelle-Festival durchgeführt, sowie Aktionen bei der MAYDAY! Parade, Workshops zu diversen Themen und Bündnisarbeit mit anderen Gruppen organisiert.
Dabei sein ist alles!
So sind alle in das Haus als Gesamtprojekt eingebunden und tragen zu dessen Fortbestehen bei. Entscheidend ist, dass diese Strukturen das Engagement und die Fähigkeiten des Einzelnen aufgreifen und Aufgaben von allen definiert und durchgeführt werden.
Zwischen Mai und November 2009 wurde die Lu 15 grundlegend saniert - dies bedeutete sechs Monate lang viel werkeln, viel hämmern, viel schaufeln, viel dazulernen, viel Schweiß, viel Spaß, aber auch viele Nerven – denn es war nicht immer einfach auf und mitten in einer Baustelle zu wohnen.
Viel Wert wurde darauf gelegt, nicht nur energetisch sondern auch nach möglichst ökologischen Kriterien zu sanieren. Ziel der Sanierung war, den Energieverbrauch des Hauses weit unter die Anforderungen, die für Neubauten vorgesehen sind, zu senken und damit gleichzeitig durch niedrige Nebenkosten weiterhin bezahlbaren Wohnraum zu gewährleisten.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten:
Heizung und Warmwassergewinnung aus einer Kombination von ca. 23m² solarthermischer Kollektorfläche und Holzpellets (damit kann in den Sommermonaten die Heizung komplett ausgeschaltet werden); Eine Außendämmung unter Verwendung von Zellulose (Altpapier) und Holzweichfaserplatten; Dämmung der Kellerdecke und Einbau von neuen Haustüren; Einbau von Isolierglasfenstern; Erneuerung der Abwasserleitungen; Brandschutzmaßnahmen (neue Wohnungstüren, Verschalung der Wände mit Brandschutzplatten, Einbau von Brandmeldern).
Um die Sanierung zu finanzieren haben wir verschiedene Arten von Krediten aufgenommen: der größte Teil der Summe kam von der staatlichen KfW-Förderbank, die spezielle Sanierungskredite zur Senkung des CO2 Ausstoßes vergibt. Um die Kosten gering zu halten, wurden alle handwerklichen Tätigkeiten, welche nicht zwingend von Fachpersonal ausgeführt werden mussten, in Eigenleistung erbracht.